Tag 9: Nebel und Regen

Beim Frühstück in Veracruz war das Wetter noch ganz gut, und wir wollten gemütlich die Küste entlang fahren. Erste Station war Tlacotalpan, ein schmuckes Städtchen an einer Lagune, das man nur über eine Brücke erreichen kann und seit 1999 Weltkulturerbe ist. Jedes Haus ist in einer anderen Farbe gestrichen – wir haben uns gefragt, ob das Recht auf die Farbe vererbt wird, denn nie haben nah beieinander stehende Gebäude auch nur ähnliche Farbtöne. Besonders schön ist hier, dass kaum Autos unterwegs sind, alle fahren Rad. Am Zocalo stehen hier sogar zwei Kirchen. Eine so hellblau gestrichen, dass wir sie bei besserem Wetter sicher gar nicht gesehen hätten. Es war zu dem Zeitpunkt bedeckt und kurze Zeit später fing es an zu nieseln. Dann standen (fuhren) wir in dickem Nebel, es fing an zu regnen… Wie man sich Urlaubswetter so wünscht.

Wir waren auf dem Weg nach Catemaco, einem Wellness-Ort an einem der größten Seen Mexikos. Irgendwann sahen wir Plakate, lasen nochmal nach… Super, gerade heute und morgen soll hier das berühmte Treffen der Magier, Hexen und Schamanen aus aller Welt sein. „Lockt Heilende, Heilsuchende und Journalisten“, lasen wir im Reiseführer. Und dass der Ort dieses Spektakel natürlich mit etwa 30 Prozent Aufschlag nutzt. Zudem ist ein Seeufer im Nebel auch nicht so dolle. Also sahen wir uns nur den nahen Wasserfall – noch mehr Wasser von oben – an und fuhren weiter. In einen attraktionslosen Ort namens Acayucan. Aber hier wollen wir ja nur übernachten und morgen weiter Richtung…

Tag 8: Veracruz

Der Eintrag von heute hätte besser heißen sollen: „No, gracias“.

Da das Wetter momentan nicht so für reinen Strandurlaub geeignet ist (und Teolutla sonst wenig zu bieten hat), sind wir die Küste runter nach Veracruz gefahren. Die größte Hafenstadt an der Golfküste Mexikos ist berühmt für ihre musikalische Seite. Man sitzt auf dem Zocalo, lauscht den Marimba-Spielern und den Liedern der Mariachis oder schaut den Jarocho-Tänzerinnen und -Tänzern zu. Es gibt den besten Kaffee des Landes, den man kunstvoll mit Milch aufgefüllt bekommt. Man kann was trinken, ohne gleich ein komplettes Gericht essen zu müssen – eine Wohltat. Und man kann sich köstlich über die fliegenden Händler amüsieren – zumindest eine Zeit lang. Denn sobald man irgendwo sitzt, kommt etwa alle 15 Sekunden einer vorbei. Hemden, Blusen, Hängematten, Zigarren, Sonnenbrillen, Armbändchen, Uhren, Kaugummi und Parfüm… Man kann Souvenirs kaufen, ohne sich zu bewegen. Naja, wir waren nicht in Shoppinglaune, hatten aber am Nebentisch vier Männer sitzen, die sich einen Spaß daraus gemacht haben, sich alles vorführen zu lassen. Sie haben sich fast weggeschmissen über die „echten Rolex“, haben ca. 30 Sorten Parfüm zur Probe gerochen (bei denen wird’s heute Nacht stinken im Zimmer) und dann auch was gekauft. Ab dem 50. Verkäufer sagt man dann nur noch „no“, ohne „gracias“, und versucht, keinen Blickkontakt zu den Musikanten herzustellen. Am Nebentisch können sie ja gerne ein Ständchen bringen…

Insgesamt ein äußerst angenehmes Städtchen, besonders nach Bier und Pina Colada :-)

Hier ein Video der Jarocho-Tänzer:

Tag 7: Tecolutla

Mit einem Tag Verspätung, denn wir haben hier in Tecolutla kein Hotel mit Internetanschluss und gestern der Upload im Internetcafé hat uns ganz schön Nerven gekostet.
Tecolutla ist ein altes Fischerdörfchen, das sich inzwischen gut auf Touristen eingestellt hat. Zu gut für die wenigen Besucher, die sich unter der Woche hierher verirren. Wir sind im besten Hotel im Ort abgestiegen (wir sind nicht unerwartet zu Geld gekommen, aber wir zahlen hier 45 Euro für ein Zimmer direkt am Strand, Hotel mit Pool) und sind hier die einzigen Gäste. Komisch, wenn der ganze Hotelbetrieb wegen uns aufrecht erhalten wird…
Tecolutla hat auf der einen Seite das Meer und auf der anderen den Rio Tecolutla, auf dem man Bootstouren machen kann – die werden einem auch laufend angeboten. Ein Anbieter sichert einem sogar ein Foto mit einem echten Krokodil zu. Naja, man muss sich ja von den anderen abheben.
Am Wochenende ist es hier wohl immer ausgebucht und die Restaurants haben sicher gut zu tun. Jetzt kämpfen sie um jeden Gast – und das sind nicht viele. Am Zocalo stehen Mitarbeiter rum, die einem Speisekarten in die Hand drücken und ihre Lokalität anpreisen. Direkt nach dem Frühstück hält man Angebote für das „menu del dia“ in der Hand. Gäste fürs Abendessen sind noch härter umkämpft. Gestern haben wir schön gegessen und wollten danach woanders noch was trinken gehen. Fehlanzeige. Man muss essen, um trinken zu können. Wie soll man das denn durchhalten? 5 Mahlzeiten am Tag? Außerdem sieht man es einem nicht an, ob er schon gegessen hat oder nicht. Man sollte im Restaurant einen Stempel auf die Stirn bekommen: „Hat schon gegessen!“ – dann könnten sie sich den Atem und ihre Flugblätter sparen.
Tecolutla sonst? Kilometerlanger Strand (natürlich nicht weiß wie in Cancun, daher auch nicht so beliebt bei Touristen) mit Strandbars und mäßigen Wellen (nix für Surfer und viel für Schwimmer). Bei Sonnenschein genial. Den hatten wir gestern, heute kam dann „El Norte“ mit Sturm. Unser größtes Problem aber sind die hochgeklappten Bürgersteige um 21 Uhr, daher werden wir Tecolutla nach zwei Nächten wieder verlassen.
Wir waren heute in El Tajin, eine der „geheimnisvollsten“ Pyramidenanlagen Mexikos. Berühmt für seine Nischenpyramide, die über 365 Nischen hat. 365? Was sagt uns das? Antworten bitte per E-Mail oder Kommentar. ;-)
Und Voladores haben wir gesehen – fliegende Menschen. Mit großem Tamtam marschieren fünf Männer ein, vier klettern auf den Mast, binden sich ein Seil um Bauch und Fuß und wickeln die Seile um den Mast. Dann klettert der fünfte hoch, spielt Flöte und Trommel, während sich die anderen fallen lassen und in 13 Umdrehungen wieder zur Erde kommen.

Sind gerade in Veracruz angekommen, melden uns dann später.

Hier ein Video von den Voladores

Und hier eins von der Straße bei Papantla und El Tajin