Santiago de Compostela

Zum Glück haben wir die Stadt schon bei unserer Nordspanienreise in 2008 erkundet (kann man hier im Blog nachlesen).  Mit gereizter Achillessehne läuft sich nicht wirklich gut. So wurde es gestern Abend nur einer kleiner Rundgang. Neben der Kathedrale gab es klassische Musik.

Heute sind wir dann um 12 Uhr in den Pilgergottesdienst in die Kathedrale. Der Tipp, eine halbe Stunde vor Beginn dort zu sein, war ein schlechter Tipp. Wir waren eine Stunde vorher dort und bekamen gerade noch einen Sitzplatz ziemlich weit hinten. Direkt zu Beginn wurden die Pilger begrüßt und von jedem Startpunkt der Jakobswege die dort gestarteten Nationalitäten genannt. 

Vom Gottesdienst haben wir diesmal viel mehr verstanden, der Pfarrer hat sehr deutlich gesprochen. Er hatte wohl auch in unserem Blog gelesen, denn er sprach von den hellen und dunklen Zeiten im Leben, den Camino des Lebens und dass alles seine Zeit hat. Am Ende wurde dann noch der große Weihrauchkessel geschwenkt. Da ging schon mehr als ein Raunen durch die Menge, es wurde sehr unruhig. Hunderte standen dann mit ihren Handys auf und filmten das Spektakel. Dabei gibt es bei YouTube schon sehr viele Videos dazu. 

Der Weihrauchkessel, der Botafumeiro, ist ein etwa 1,60 m großes und 54 kg schweres Weihrauchfass, das an einem langen Seil in der Kuppel befestigt ist. An hohen Feiertagen oder wenn sich ein Sponsor findet, der dafür 500 Euro spendet (in der Regel größere Reisegruppen), wird er geschwenkt. Er wird von acht Männern in Bewegung gesetzt und bis hoch unter die Decke geschwungen. Mit einer irren Geschwindigkeit saust er durch das Querschiff, ein Mann singt dazu. Faszinierend und wirklich ein besonderer Anblick. Nach dem Gottesdienst konnten wir noch in Ruhe durch die Kirche gehen und dann ein paar Kerzen anzünden. Hier gibt es auch echte Kerzen, bisher hatten wir auf der Reise fast nur elektronische. 

Padrón – Santiago de Compostela

Geschafft. Nach heute 26 Kilometern sind wir an der Kathedrale in Santiago de Compostela angekommen. Es war eine sehr schöne Etappe. Die Anzahl der Einkehrmöglichkeiten war heute viel höher, daher verteilten sich die Pilger etwas früher. Je näher wir dem Ziel kamen, umso ruhiger und besinnlicher wurde die Stimmung.  Und dann mit Hunderten anderer Pilger auf dem Vorplatz der Kathedrale anzukommen, war ein ergreifender Moment. Eine tolle Erfahrung.  Auf dreizehn Etappen Licht und Schatten zu spüren. Die Kraft, diese Herausforderung zu bestehen, die Verletzlichkeit zu spüren, wie schnell es vorbei sein kann. Nach den ganzen Unfällen mit Verbrennungen, Sturz und heute Achillessehnenproblemen hätte es auch ganz schnell vorbei sein können. Alles ist vergänglich – aber auch auf die dunkelsten Zeiten folgt wieder Helligkeit. Das tröstet schon sehr.

Die Stimmung vor der Kathedrale ist einfach toll, man trifft viele Pilger von unterwegs, jeder ist glücklich, heil hier angekommen zu sein. Wir haben bestimmt eine Stunde auf dem Platz gelegen und die Stimmung genossen. Unser Pilgerurkunden haben wir uns auch schon abgeholt. Unsere lateinischen Namen klingen schon sehr amüsant. Bescheinigt wurden uns jetzt offiziell 260 Kilometer, gelaufen sind wir inklusive der zwei Ruhetage 330 Kilometer.

Jetzt legen wir erstmal die Füße hoch.