Padrón – Santiago de Compostela

Geschafft. Nach heute 26 Kilometern sind wir an der Kathedrale in Santiago de Compostela angekommen. Es war eine sehr schöne Etappe. Die Anzahl der Einkehrmöglichkeiten war heute viel höher, daher verteilten sich die Pilger etwas früher. Je näher wir dem Ziel kamen, umso ruhiger und besinnlicher wurde die Stimmung.  Und dann mit Hunderten anderer Pilger auf dem Vorplatz der Kathedrale anzukommen, war ein ergreifender Moment. Eine tolle Erfahrung.  Auf dreizehn Etappen Licht und Schatten zu spüren. Die Kraft, diese Herausforderung zu bestehen, die Verletzlichkeit zu spüren, wie schnell es vorbei sein kann. Nach den ganzen Unfällen mit Verbrennungen, Sturz und heute Achillessehnenproblemen hätte es auch ganz schnell vorbei sein können. Alles ist vergänglich – aber auch auf die dunkelsten Zeiten folgt wieder Helligkeit. Das tröstet schon sehr.

Die Stimmung vor der Kathedrale ist einfach toll, man trifft viele Pilger von unterwegs, jeder ist glücklich, heil hier angekommen zu sein. Wir haben bestimmt eine Stunde auf dem Platz gelegen und die Stimmung genossen. Unser Pilgerurkunden haben wir uns auch schon abgeholt. Unsere lateinischen Namen klingen schon sehr amüsant. Bescheinigt wurden uns jetzt offiziell 260 Kilometer, gelaufen sind wir inklusive der zwei Ruhetage 330 Kilometer.

Jetzt legen wir erstmal die Füße hoch.

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Caldas de Reis – Padrón

21,2 Kilometer heute auf Etappe 12. Läuft ganz gut bei uns. Der Pilgertourismus treibt hier schon seltsame Blüten. Heute war eine größere Gruppe unterwegs, die von einem Bus begleitet wurde. Diese Leute sind ohne Gepäck gelaufen und alle paar Kilometer stand der Bus an Ecken bereit, wo ein Bus eben hinfahren kann. Da konnte man sich dann was am Bus holen, ein Stück mitfahren, die Jacke ablegen und so. Zur Mittagszeit stand der Bus in einem Ort und es war ein Buffet aufgebaut. Zwei Frauen mit Schürzchen bedienten die Reisenden an einem Tisch…

Die Strecke heute war super, die Füße laufen inzwischen fast alleine. Die Kirchen unterwegs waren heute alle geschlossen, das erschwerte das Beten  und schöne Kirchenstempel in den Pilgerpass gab es auch nicht. Da müssen dann die Gastronomen einspringen.

Großes Thema ist das PPP. Das Pipi-Pausen-Problem. Alle 20 Meter laufen andere Pilger oder Pilgergrüppchen, mal eben in die Büsche gehen gestaltet sich schwierig. Oft gibt’s auch keine Büsche oder es geht durch Ortschaften. Bei den wenigen Cafés unterwegs gibt’s lange Schlangen vor den Sanitarios. Ab mittags entspannt sich die Lage etwas, da das Feld auseinandergerissen wird und die Leute zu unterschiedlichen Zeiten Pause machen. Zudem werden alle im Laufe des Tages langsamer und Ollis Ansage: “du hast 100  Meter Zeit, bis einer kommt”, bedeutet morgens “jetzt aber zackig” und ab mittags  “nur die Ruhe”.  Aber das PPP haben ja alle.

Morgen steht die letzte Etappe an und dann ist unser Jakobsweg zu Ende. Vielleicht gehen wir morgen extra langsam 😉🥾.

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Pontevedra – Caldas de Reis

Gestern Abend waren wir in Pontevedra noch in einem Pilgergottesdienst, aber das Spanisch eines nuschelnden Pfarrers ist nur sehr schwer zu verstehen. Heute dann die elfte Etappe mit 25,3  Kilometern. Um 7 Uhr sind wir los, weil es sehr heiß werden sollte.  Und auch so früh war schon einiges los. Pro Tag treffen etwa 1800 Pilger in Santiago ein, davon kommt etwa ein Viertel über den portugiesischen Jakobsweg. Also 450 Pilger sind mit uns auf den Etappen. War schon klasse, heute Morgen in der ersten Stunde in der Dunkelheit zu laufen. In Pontevedra waren noch die Laternen an, ab Ortsausgang war es dann finster. Schweigende Pilger ( die schnatternden Power-Walkerinnen haben wir durch den Ruhetag jetzt verloren), vereinzelt leuchten Handys und Stirnlampen den Weg. Bei der ersten Kirche bei Alba wurde es dann langsam hell. Bei der ersten Kaffeepause war ein Esel vor der Tür angebunden, ich überlegte kurz eine Entführung. Aber uns geht’s ja gut. Während wir in Ruhe unseren Kaffee tranken, erneuerten zwei Leute vor der Tür ihre Blasenpflaster. Manche schleppen sich wirklich über den Camino. Gestern sahen wir in Pontevedra viele humpelnd durch den Ort gehen. Vielleicht sind unsere Füße doch mehr an das viele Laufen gewöhnt. Unsere Beschwerden sind doch eher harmlos, denn mit 10 Kilo Gepäck merkt man 25 km natürlich an den Füßen.

Mittagspause machten wir dann idyllisch bei einer Herberge 30 Minuten vor Caldas de Reis. Nackte Füße auf der Wiese ist schon klasse. In unserer Unterkunft haben wir heute eine Badewanne, worüber die Beine sich freuen, aber inzwischen sind es hier 30 Grad und die heißen Thermalquellen hier im Ort können wir heute nicht gebrauchen können.

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